Viele Hände für Aida

13.07.2016
Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

Gerade erst hat der 3. Teil der Verdi-Trilogie der Schlossfestspiele Schwerin mit „Aida“ Premiere gefeiert. Schon seit Wochen konnten wir auf dem Alten Garten das Bühnenbild zur Oper entstehen sehen. Für die nächsten vier Wochen wird die Open-Air-Kulisse, die jedes Jahr extra für die Schlossfestspiele aufgebaut wird, kräftig bespielt. Von Donnerstag bis Sonntag singt sich Aida durch ihre tragische Geschichte.

Marketing-FSJlerin des Mecklenburgischen Staatstheaters Anna Dormagen hat während des Aufbaus und der Proben für den Altstadtblog hinter die Kulissen geschaut und spannende Einblicke in die Vorbereitungen von „Aida“ bekommen:

Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

Bevor die Proben für die Schlossfestspiele überhaupt beginnen können, muss die Technik abgestimmt werden. Der erste Soundcheck dieses Jahr dauerte fast vier Stunden. Zuerst stimmt man einzelne Instrumentengruppen ab, um dann den Tutti-Klang zu perfektionieren. Insgesamt werden dafür 70 Mikroports (kleine drahtlose Mikrofone, die am Oberkörper oder Kopf der Darsteller befestigt werden), 48 Lautsprecher, vier digitale Mischpulte sowie Dutzende Scheinwerfer und Spotlights verwendet! Für John Schröder, den Chef der Tontechnik, ist besonders wichtig, dass das Beschallungssystem so eingerichtet ist, dass der Zuschauer die Verstärkung möglichst nicht bemerkt. Die Stimme muss also genau von dort kommen, wo sich der jeweilige Sänger befindet. Deshalb trägt jeder Solist neben seinem Mikroport auch noch einen Sender mit sich, dessen Signal von installierten Spezialantennen empfangen wird und für einen Klang sorgt, bei dem Augen und Ohren übereinstimmen. Außerdem wird mit Monitoren gearbeitet, die den Dirigenten zeigen, damit die Sänger und das Orchester gut aufeinander abgestimmt sind.

Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

Doch nicht nur die Technik muss gut abgestimmt sein, auch Schneiderei und Maske tragen einen Großteil zum glücklichen Verlauf einer Vorstellung bei.

Ich habe mich ein bisschen umgehört, um herauszufinden, wie viel Arbeit tatsächlich hinter den Kulissen stattfindet. Zuerst war ich in der Schneiderei. Insgesamt werden hier für die diesjährigen Schlossfestspiele 350 – 450 Kostüme vorbereitet. Die Entwürfe kommen von Romaine Fauchère, die ihre gezeichneten Kostümentwürfe, auch Figurinen genannt, an Kostüm und Maske weitergibt.

Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

In der Schneiderei arbeiten zehn Schneiderinnen, vier Gewandmeister, eine Hutmacherin und eine Färberin sowie diverse Ankleiderinnen seit Februar an den Kostümen. Bei den Vorstellungen sind allerdings nur die Ankleiderinnen dabei; sie springen auch ein, wenn etwas kaputt geht. 1999 wurde Aida schon einmal auf dem Alten Garten gespielt. Damals waren es komplett historische Kostüme. Dieses Jahr wird die Bühnengarderobe gemischter und etwas moderner sein. Spannend fand ich, wie viel Aufwand hinter Kleinigkeiten steckt. So berichtet Ralf Christmann, Kostümdirektor der Schlossfestspiele Schwerin 2016, von zwei Medaillons, für Radames und Aida, welche nicht in der gewünschten Größe und Form ausfindig gemacht werden konnten. Er beschäftigte sich zwei Wochen damit und im Endeffekt musste man eine Spezialfirma beauftragen. Ein ziemlich großer Aufwand für eine solche „Kleinigkeit“.

Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

Bei all der Arbeit ist es für alle Beteiligten das Schönste, am Ende ein eindrucksvolles Gesamtbild zu sehen. Um das zu erreichen, muss die Kombination aus Kostüm und Maske stimmen.

Als letzte Station habe ich also der Maske einen Besuch abgestattet. Auch hier setzt Romaine Fauchère die Maßstäbe. Insgesamt werden diese Entwürfe dann von 10 Mitarbeitern umgesetzt. Ein Hauptbestandteil ihrer Arbeit ist die Herstellung und Bearbeitung von Perücken. Am meisten beeindruckt hat mich hier der Zeitanspruch.  Für eine komplett neue Perücke muss man mit etwa 40 Stunden Arbeit rechnen. Zum Glück können viele Perücken aus dem Fundus neu angepasst werden, doch selbst dafür brauchen die Maskenbildner noch 7 bis 8 Stunden.

Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

Alles in allem werden 58 Perücken benötigt. Besonders interessant sind dabei die 20er-Jahre-Wasserwellen-Frisuren und die afrikanischen Frisuren wie Rastas mit bestimmten Flechttechniken. Für die Aufführung werden auch Glatzen benötigt. Da die Darsteller für vier Wochen natürlich nicht blank ziehen wollten, haben sich die Maskenbildner eine Lösung mit hautfarbigen Filzkappen ausgedacht, die von weitem fast als echte Glatzen durchgehen.

Schlossfestspiele Hinter den Kulissen

Auch der Veranstaltungsort wirft für Kostüm und Maske einige Herausforderungen auf.

Eine Open-Air-Veranstaltung bringt nämlich durch die Wetterbedingungen ganz andere Risiken mit sich als Vorstellungen in einem Saal. Eigentlich sind die Frisuren von „Aida“ für draußen ziemlich ungeeignet, weshalb die Maske spezielles Sprühkleber-Haarspray verwenden muss, um den bestmöglichen Halt der Frisuren zu gewährleisten. Wie in der Schneiderei sind auch in der Maske die Kraftreserven zum Ende der Spielzeit fast aufgebraucht. Alle Beteiligten müssen nochmal alle Kräfte mobilisieren, aber für das Highlight der Saison, die Schlossfestspiele Schwerin, packen alle gerne mit an, bis sie dann nach der Spielzeit in die wohlverdiente Sommerpause gehen dürfen.

Schlossfestspiele Schwerin Aida c Silke Winkler

Copyright Silke Winkler

Ich habe hinter den Kulissen der Schlossfestspiele viel Neues dazu gelernt und freue mich, dass ich euch einen kleinen Einblick in die Theaterarbeit geben konnte. Ich wünsche euch viel Spaß bei „Aida“.

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